Merlin Verlagsgeschichte

Merlin Verlagsgeschichte

Der MERLIN VERLAG, 1957 von Andreas J. Meyer in Hamburg gegründet, trägt den Namen des keltischen Zauberers mit Bedacht. Von ihm heißt es, er sei aus der Verbindung des Teufels mit einer Königstochter hervorgegangen. Die magischen Kräfte des Satans stellte Merlin in den Dienst der von der Mutter ererbten Tugenden.
Für den Verlag bedeutet das „die Verpflichtung für ein Programm, das der Literatur und Kunst die spirituelle Bewältigung der Not der Existenz zum Thema stellt.“ In diesem Sinne bemüht sich der MERLIN VERLAG, einer allein am materiellen Erfolg orientierten Spezialisierung der Verlagsprogramme ein universelleres Selbstverständnis entgegenzusetzen.
1997, anlässlich des 40jährigen Verlagsjubiläums leitete Andreas J. Meyer den "Übergang in die nächste Generation" ein, der mit Meyers Rückzug aus dem operativen Geschäft im Jahr 2005 abgeschlossen wurde. Der MERLIN VERLAG wird seither von der Tochter des Verlagsgründers, Dr. Katharina Eleonore Meyer, geführt, unterstützt von einem kleinen engagierten Team. 2007 feierte der Verlag sein 50jähriges Bestehen mit einem rauschenden Fest und im Beisein etlicher Verlagsautoren und zahlreicher alter und neuer Weggefährten! Inzwischen bereits im 60. Jahr angekommen, gehört MERLIN zu den am längsten existierenden unabhängigen deutschen Verlagen. Immer wieder gelang es ihm, mit ebenso bedeutsamen wie kontroversen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam zu machen und auf diese Weise die literarische Landschaft im Nachkriegsdeutschland entscheidend mitzugestalten.
Einer der ersten Autoren des Verlags war Jean Genet, dessen 1960 veröffentlichter Roman NOTRE-DAME-DES-FLEURS einen der wichtigsten deutschen Literaturprozesse der letzten 50 Jahre auslöste. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitete ein Verfahren nach § 184 StGb wegen "Verbreitung unzüchtiger Schriften" gegen den Verleger Andreas J. Meyer ein, die bereits gedruckten Exemplare des Buches sollten eingezogen werden. Doch der Prozess endete mit einem Freispruch. In einem juristischen Präzedenzfall entschied das Hamburger Landgericht, dass der Roman aufgrund seines hohen künstlerischen Werts für einen intelligenten Leser nicht anstößig sein könne, trotz der darin enthaltenen Obszönitäten.
In den folgenden Jahrzehnten blieb das Programm des MERLIN VERLAGS der Überzeugung treu, dass auch unliebsame Geister in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden müssen. So gab der Verlag unter anderem eine erste Studienausgabe der Werke des Marquis de Sade heraus, veröffentlichte die Bücher des rebellischen Norwegers Jens Bjørneboe, die Provokationen des gläubigen Katholiken und umstrittenen Niederländers Gerard Reve sowie Georges Batailles Studie über den Marschall von Frankreich und legendären Kindermörder Gilles de Rais, er startete eine "Bibliothek der geheimen Wissenschaften und magischen Künste" und scheute auch nicht die Auseinandersetzung mit dem sprachgewaltigen Autor Louis-Ferdinand Céline, der wegen seiner antisemitischen Pamphlete bis heute polarisiert.
Im von Anfang an verfolgten Bemühen um die bibliophile Ausstattung möglichst vieler Bücher wurde in enger Verbundenheit mit der damals stilbildenden Künstlergruppe der Werkstatt Rixdorfer Drucke eine Grafikedition angegliedert. Hier erschienen unter anderem verschiedene Arbeiten von Johannes Grützke und Horst Janssen. Auch der vielseitige Autor Janosch konnte zunächst für ein Grafikprojekt gewonnen werden (und schuf in der Folge an die 300 verschiedene Originalradierungen für den Merlin Verlag, erschienen in limitierter Auflage und vom Künstler handsigniert), bevor er anschließend seinen Roman SANDSTRAND und seine Theaterstücke für Erwachsene im MERLIN VERLAG publizierte. Zudem gehören hierher zahlreiche Ausstellungskataloge, Bilderkalender und Künstlerbücher.
In Anerkennung seiner anspruchsvollen Ziele und langjährigen Arbeit erhielt der MERLIN VERLAG im Jahr 1984 den ersten von der Wochenzeitung DIE ZEIT ausgesetzten Preis für kleinere Verlage. Zuletzt wurde der stete Einsatz für das Werk von jungen und unbequemen Autoren und Autorinnen im Jahr 2000 durch die Verleihung des Niedersächsischen Verlagspreises gewürdigt.
Seit mehr als 10 Jahren erscheinen im MERLIN VERLAG auch die Bücher des algerischen Autors Boualem Sansal, der 2011 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit dem Friedenspreis in der Frankfurter Paulskirche ausgezeichnet wurde.
Heute ist der MERLIN VERLAG in Gifkendorf bei Lüneburg ansässig. In der verlagseigenen Galerie finden mehrmals im Jahr Lesungen und Ausstellungen mit Verlagsautoren und Künstlern statt.
Nach vorheriger Anmeldung sind Besucher herzlich willkommen.